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Rodgers verletzt: Die Gründe für den Erfolg der Jets


Wenn nach den ersten vier Spielminuten der neuen Saison der Königsplan komplett über den Haufen geworfen ist, gibt es im American Football zwei Möglichkeiten. Erstens: Man holt sich einen adäquaten Ersatz für den ausgefallenen Spielmacher, behält also den Plan bei, auch wenn es damit noch etwas teurer wird. Oder zweitens: Man redet seine Nummer zwei stark.

Die New York Jets entschieden sich für Letzteres, zumindest vorerst. "Zach Wilson ist unser Quarterback", hat der Cheftrainer der Jets, Robert Saleh, über den Ersatzmann für Aaron Rodgers verkündet - keine 48 Stunden nach dem Saisonstart, der zeitlich mit dem Saisonende eines Mannes zusammenfiel, der allein fast größer erscheint als das Jets-Franchise. Doch dann erlitt eben jener Spieler, Aaron Rodgers, der gerade erst in einem spektakulären Coup von den Green Bay Packers an die US-Ostküste transferiert worden war, bei seinem vierten Spielzug, nach anderthalb Minuten auf dem Feld, einen Riss der linken Achillessehne.

Zu jenem Montagabendspiel gegen die Buffalo Bills war Rodgers mit einer US-Fahne eingelaufen, er verließ den Innenraum des Metlife Stadiums auf der flachen Ladefläche eines E-Carts, in der Profiliga NFL ein Sinnbild für: Da ist etwas wirklich Schlimmeres passiert! Ungläubiges Kopfschütteln auf den Rängen war zu sehen.

Wenn eine Mannschaft so sehr auf einen Spieler zugeschnitten ist wie im aktuellen Fall in New York, dann kann die Achillessehne dieses Spielers sehr schnell zur Achillesferse des gesamten Teams werden. Da ist zunächst der ökonomische Aspekt. Rodgers' Ausfall bedeutet höchstwahrscheinlich auch erhebliche finanzielle Verluste. Als seine Verpflichtung im Frühjahr verkündet wurde, führte das Rodgers-Trikot landesweit die Verkaufslisten an, die Jets vervierfachten ihre Einnahmen im Jahreskarten-Verkauf. Jetzt aber dürften viele Händler auf den Jerseys mit der Nummer acht sitzen bleiben, auch die mediale Vermarktung im Vergleich zu anderen Teams dürfte leiden.

Vor dem schweren Spiel in Dallas herrscht erst einmal Frustration

Rodgers wird im Dezember 40 Jahre alt, er war der älteste Spieler der Liga. Unterschrieben hatte er für zwei Jahre. Es ist auch aus Sicht der Marketingabteilung der Jets kein Wunder, dass erst einmal eine Rückkehr des Altmeisters in einem Jahr kolportiert wird, egal ob es wirklich klappen wird oder nicht. Rodgers selbst ließ auf Instagram verlauten: "Die Nacht ist vor dem Sonnenaufgang am dunkelsten. Und ich werde noch einmal aufgehen." Der gebürtige Kalifornier versucht, ein sonniges Gemüt zu behalten.

Vor dem schweren Spiel am kommenden Sonntag in Dallas herrscht erst einmal Frustration. Denn um den Super-Bowl-Champion von 2011 herum wurde ein Team aufgebaut, dass es nach 13 Jahren ohne Playoff-Teilnahme und 55 Jahren ohne großen Titel endlich mal wieder weit bringen sollte.

Doch möglicherweise müssen die sportlichen Erwartungen nicht ganz so sehr heruntergeschraubt werden wie die wirtschaftlichen Ambitionen. Zum einen ist die Mannschaft eben recht gut zusammengestellt, das Unternehmen hatte auch reichlich Zeit und Geld ins Scouting investiert. Zum anderen war Rodgers aufgrund seines hohen Alters ohnehin kein echter Erfolgsgarant mehr. Darüber hinaus führte der noch recht grüne Quarterback Zach Wilson, 24, die Mannschaft am Montagabend tatsächlich zu einem Sieg in der Verlängerung (22:16), und das gegen einen Favoriten, die Buffalo Bills. Auch wenn dabei die Abwehr die Hauptarbeit verrichtete, nicht Wilson.

Ganz gut lief es für einen Deutsch-Amerikaner, dem in naher Zukunft eine große Karriere zugetraut wird

Ohnehin blieb vom ersten Spieltag der neuen NFL-Saison die Erkenntnis, dass die Spieler mit den meistverkauften Trikots nicht immer die entscheidenden sind. Patrick Mahomes, Spielmacher des Titelverteidigers Kansas City Chiefs, blieb im Eröffnungsspiel blass und verlor mit seiner Mannschaft gegen die Detroit Lions. Auch, weil die Passempfänger-Maschine Travis Kelce verletzt fehlte. Die Los Angeles Rams besiegten ohne ihren vermeintlich wichtigsten Offensivspieler Cooper Kupp, der noch länger fehlen wird, die Seattle Seahawks deutlich 30:13.

Ganz gut lief es für einen Deutsch-Amerikaner, dem in naher Zukunft eine große Karriere zugetraut wird: Amon-Ra St. Brown, 23, gelang mit den Lions bereits ein Touchdown beim Erfolg über die Chiefs. Der Passempfänger mit der Mutter aus Leverkusen wurde auch schon zu einem der fünf Teamcaptains gewählt.

Was die Produktion von Stars angeht, sind sie in der NFL nicht auf Nationalitäten festgelegt. Und die Wahrscheinlichkeit, dass noch mehr Deutschstämmige künftig in der NFL spielen werden, wurde unter der Woche erhöht. Die Liga gab bekannt, dass ab der kommenden Saison alle Mannschaften verpflichtet werden, einen internationalen Spieler in ihren Practice Squad, also den erweiterten Kader, aufzunehmen. Ziel der Maßnahme ist die weitere Internationalisierung der NFL, sportlich wie wirtschaftlich.

Schon davor wird intensiv daran gearbeitet, den Footballsport in Deutschland noch beliebter zu machen: Zwei von fünf Spielen in Europa finden in Frankfurt statt. Am 5. November trifft Titelverteidiger Kansas City auf den Geheimfavoriten Miami Dolphins, eine Woche später folgen die New England Patriots und die Indianapolis Colts. Auf die New York Jets mit dem vermeintlichen Exportschlager Aaron Rodgers hatte die NFL dieses Jahr glücklicherweise verzichtet.

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Author: Tyler Crawford PhD

Last Updated: 1702876322

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